Es gibt keine menschliche
Innerlichkeit ohne Äußerlich-
keit; keine christliche Inner-
lichkeit ohne Äußerlichkeit.

(Holl.Katechismus)


Katholische Riten und Gebräuche

(mit freundlicher Genehmigung von Kath.Glaubensinformation, Justinusplatz 2, Frankfurt)


In Fernsehen oder Zeitschriften , im Urlaub oder bei Bekannten werden Sie sicher schon auf "typisch katholische " Besonderheiten gestoßen sein.
Weggkreuze und Kreuzzeichen, Weihen und Segnungen, Weihwasser und Weihrauch, Heiligenbilder und Votivtafeln, Rosenkranz und Prozessionen. Außenstehenden sind diese Dinge oft fremd und unverständlich. Manche sehen darin ein wildes Gestrüpp von Äußerlichkeiten, die den Blick auf das Wesentliche - nämlich Christus - zu verstellen scheinen.

In allen Religionen aber gibt es Zeichen, Riten, Gesten und Gebräuche. Ideen und Überzeugungen lassen sich eben nicht in den Intellekt einschließen, sondern wollen im Alltag Gestalt finden. So gehören auch zum katholischen Lebensgefühl sichtbare und zeichenhafte Äußerungen des Glaubens.

Das Kreuzeichen

Wer in katholische ländliche Gegenden kommt, findet dort an Wegen und Kreuzungen Bildstöcke und Kreuze. Blumen zeugen von fortdauernder Verehrung. Diese Bilder und Kreuze sind Zeichen unserer Hoffnung, daß wir durch den Kreuzestod befreit, erlöst sind. Im Betrieb unseres Alltags brauchen wir manchmal derartige Denkanstöße.
Einen ähnlichen Sinn hat das Kreuzzeichen, mit dem wir Katholiken gewöhnlich ein Gebet und den Gottesdienst beginnen. Die Worte, die dabei gesprochen werden: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, sind das kürzeste Bekenntnis unseres Glaubens an den dreieinigen Gott. Das Kreuz wiederum will zum Ausdruck bringen, daß man sich als Christ unter das Kreuz stellt, was natürlich auch die Bereitschaft einschließen muß, Christus nachzufolgen. Kaum verständlich, daß das Kreuzzeichen im Laufe der Zeit für manche zum Zeichen konfessioneller Unterscheidung geworden ist. Heute übernehmen auch nichtkatholische Christen zunehmend wieder diesen Brauch.
Ein derart wichtiges Zeichen darf natürlich nicht gedankenlos und oberflächlich vollzogen werden, wie man das machmal sieht. Das wirkt dann eher komisch als ehrfürchtig. Machen Sie dagegen einmal den Versuch, am Beginn Ihres Gebetes ein Kreuzzeichen über sich zu zeichnen: langsam von der Stirn zur Brust, von der linken zur rechten Schulter, so daß es Sie ganz "einhüllt". Sie können dann die Erfahrung machen, wie ein solches Kreuzeichen sammeln kann.

Das Weihwasser

Mit dem Kreuzeichen ist oft ein anderer religiöser Brauch verbunden. das Weihwassernehmen. So z.B. wenn Gläubige eine Kirche betreten bzw. wieder verlassen. Das Weihwasser erinnert an die Taufe. Durch das Kreuz Christi sind wir erlöst - durch die Taufe bekommen wir Anteil an der Erlösung. Somit ist die Verbindung von Kreuzzeichen und Weihwasser gegeben. Der Gebrauch von Weihwasser ist vor allem immer dann sinnvoll, wenn wir uns ins Bewußtsein heben wollen, daß wir vor Gott Sünder sind, die nur durch Ihn rein und heilig werden können. Deshalb die Weihwasserbecken am Eingang aller katholischer Kirchen. - Was aber ist " Weih-Wasser" ?

Weihen und Segnungen

Immer wieder liest man in der Zeitung, daß irgenwo eine Brücke oder eine Schule "eingeweiht" wurde. Der allgemeine Sprachgebrauch unterscheidet kaum zwischen "weihen" und "segnen".
Von einer "Weihe" im eigentlichen Sinn spricht die Kirche nur bei Menschen und Dingen, die sie dadurch ganz in den Dienst Gottes stellen will.
So werden z.B Kirchen, Altäre, Kerzen, Kelche, Glocken , Wasser und Friedhöfe geweiht und dadurch für eine ausschließlich religiöse Funktion bereitgestellt.

Davon unterscheidet die Kirche "Segnungen". In der Umgangssprache bedeutet Segen etwas Gutes, Glück, Heil. So kann ein alternder Mensch sagen:" Es ist ein Segen für mich, daß ich noch gesund bin."
Dabei schwingt immer das Wissen mit, daß Segen nicht verfügbar ist. Segen kommt von Gott.

In vor- und außerchristlichen Religionen glaubten die Menschen, durch magische Riten diesen Segen "erzwingen" zu können. Manche modernen Erscheinungen von Magie, Teufelskulten, Horoskope, Talismanen und Glücksteine lassen erkennen, wie sehr diese Vorstellungen die christliche Aufklärung überdauert haben. Im umgekehrten Sinn kennen wir aber auch den Begriff des "Unsegens", der in früheren Zeiten dem Einfluß von Dämonen zugeschrieben wurde. Gegen ihn mußte man sich ebenfalls mit Amuletten oder dergleichen schützen.

Ganz anders im Christentum: Dort ist kirchlicher Segen zu allererst Lobpreis und Anerkennung der Schöpfermacht Gottes, und erst daraus ergibt sich eine Bitte. Das wird aus den Texten aller Segensgebste deutlich. Wenn die Kirche segnet, weiß sie, daß die ganze Welt Gott untersteht, daß aber auch Sünde in der Welt ist, und daß das Böse Macht ausübt. Beim Segensgebet unterstellt die die Kirche Menschen oder Dinge, die dem Menschen dienen, Gottes Schutz und erbittet seine Hilfe. So segnet die Kirche Mütter, Kranke, Kinder, aber auch Haus und Wohnung, Speise und Trank, Feld und Flur, Tiere und Autos.....
Von Christus wissen wir, daß er Kindern die Hand auflegte und sie segnete, daß er Brot und Wein segnete.

Meist ist es der Priester, der eine Segnung vollzieht. Aber auch jeder Gläubige kann segnen.So segnen beispielsweise Eltern ihre Kinder. Wenn jemand über sich das Kreuzzeichen macht, segnet er sich selbst. Zu jedem Segen gehört das Kreuz- zeichen. Dadurch wird deutlich, daß jede Segensbitte Hilfe und Wirksamkeit nur von Christus erwartet. Nur in seinem Namen geschieht der Segen. Hier liegt der große Unterschied zu allem abergläubischen Zauber, z.B. wie er in unserer aufgeklärten Welt mit Maskottchen getrieben wird. Da schreibt der Mensch einem Stück Blech unglückbannende Kraft zu.
Segnung im christlichen Sinne aber ist Fürbitte der Kirche, und davon erhoffen wir uns, was Christus dem gläubigen Gebet versprochen hat: " Und was immer Ihr erbittet in meinem Namen, das werde ich tun...."
Sollte ein Christ Hilfe von äußeren Zeichen selbst erwarten, etwa von einer geweihten Medaille, oder meinen, allein der Gabrauch gewisser Worte, Formeln und Gegenstände schütze ihn vor Unglück, so wäre das sündhafter Aberglaube.

Immer wieder einmal wird behauptet, die Kirche habe im Krieg auch Waffen gesegnet. Im sogenannten Rituale- ein Buch, das alle kirchlichen Segensformeln für die verschiedensten Zwecke enthält- befindet sich kein Formular für die Segnung von Waffen und Kriegsgerät. Wo etwa ein Priester eigenmächtig eine Waffensegnung vorgenommen haben sollte, hätte er dies nicht im Namen oder im Auftrag der Kirche getan uns schon garnicht mit dem Rückhalt Jesu Christi.

Weihrauch

Bei manchen dieser Segnungen und vor allem beim feierlichen Gottesdienst wird auch Weihrauch gebraucht.

Weihrauch ist ein wohlriechendes Baumharz, das im vorderen Orient gewonnen wird. Wenn es auf glühende Kohlen gestreut wird, die im Weihrauchgefäß bereitgehalten werden, entwickelt es weißen Rauch, der einen wohlriechenden Duft verbreitet. Die Zeichenhaftigkeit des Weihrauches liegt weniger in diesem Wohlgeruch, als in der Feuersglut und den aufsteigenden Wolken.

Der Weihrauch ist Sinnbild der Gottesliebe, die in jedem Christen "brennen" soll. Gleich dem Rauch steigen seine Gebete zu Gott empor.

Im Alten Testament ist sehr oft vom Gebrauch des Weihrauchs im Gottesdienst die Rede. Die ersten Christen benutzten den Weihrauch bei Begräbnissen und an Märtyrergräbern, vermutlich aber nicht im Gottesdienst, um keine Gedanken an heidnische Rauchopfer aufkommen zu lassen, wie sie den Götter- und Kaiserbildern dargebracht wurden. Nach der Ausbreitung des Christentums schwand die Gefahr heidnischer Deutung und vom 4. Jahrhundert an werden Räuchergefäße in den Kirchen erwähnt.
In den Ostkirchen ist der Gebrauch des Weihrauches viel häufiger als bei uns. Wir sind in letzter Zeit damit - aber auch mit anderen Zeichen - sehr sparsam geworden. Junge Menschen suchen wieder Zeichenhaftigkeit. So übernehmen sie z.B. Räucherstäbchen östlicher Religionen. Sie wollen nicht nur mit dem Notwendigen und Zweckmäßigen leben, sondern auch dem Ausdruck geben, was ihrer Gemütsverfassung entspricht.

Die Kirchengebote

In der katholischen Kirche gibt es Gebote, die nicht unmittelbar göttlichen Ursprungs sind (wie etwa die Zehn Gebote), sondern kirchlichen Rechts. Seit 1444 sind fünf Kirchengebote bezeugt:
-Einhaltung bestimmter Feirtage
-Gottesdienstbesuch an Sonn- und Feiertagen
-Beobachtung bestimmter Fasten- bzw Abstinenztagen.
-Kommunionempfang und u. U. Beichte in der Osterzeit.
Die Kirchengebote haben zum Ziel, das kirchliche Gemeinschaftsleben zu ordnen und für das persönliche Glaubensleben Grundregeln aufzustellen.

Daß die Kirche Vollmacht hat, verpflichtende Forderungen zu erlassen, geht aus den Worten Jesu hervor:" Alles was ihr auf Erden bindet werdet, wird auch im Himmel gebunden sein" (Mt 18,18).
Da aber Kirchengebote menschlichen Rechtes sind, verpflichten Sie nicht in gleicher Weise wie Gottesgebote, sondern kennen bei wichtigen Gründen Ausnahmen. Der Einzelne kann nach seinem Gewissen entscheiden, ob er im konkreten Fall von der Verpflichtung dispensiert ist. Außerdem sind sie dem Wandel der Zeit unterworfen. Es muß immer wieder geprüft werden, ob sie noch zeitgemäß und sinnvoll sind. Denn nur wenn ihr Sinn deutlich gemacht werden kann, können sie wirklich zu Vertiefung des Glaubens und des Gemeinschaftsbewußtseins führen.

Prozessionen

sind feierliche Umzüge, besonders an Festtagen, aber auch in Zeiten der Not. Sie wollen vom Schöpfer Segen für Weinberg, Fluren, Tiere und Menschen erbitten, wie z.B. Bittprozessionen. Oft sind sie Ausdruck des Dankes, wie Prozessionen zum Erntedankfest, oder der Anbetung und des Glaubenszeugnisses, wie z. B. die Fronleichnamsprozession.

Wallfahrten und Wallfahrtsorte

Für den Christen sind die Stätten des Lebens und des Leidens Christi ehrwürdig. Ähnliches gilt für Orte die zu der Mutter Jesu, den Aposteln, oder Heiligen in Beziehung stehen.
Gläubige Menschen erfahren, daß man an solchen Orten vertrauensvoll beten kann. Tatsächlich sind viele Wallfahrtsorte Kristallisationspunkte der Frömmigkeit, von denen starke religiöse Impulse ausgehen. Die Beteiligung - auch gerade Jugendlicher - an derartigen Wallfahrten nimmt zur Zeit wieder zu.

Manchem von uns mag diese Art von Frömmigkeit nicht zusagen. Die Kirche verpflichtet niemanden, an diesem religiösen Brauchtum teilzunehmen. Jede Pilgerfahrt soll nur Ausdruck der Hingabe an Gott und des Vertrauens auf die Fürsprache der Heiligen sein.
Nicht den Orten oder Bildern darf außergewöhnliche Kraft zugeschrieben werden.

Beispiele kirchlichen Brauchtums...

Das Aschenkreuz
Am Aschermittwoch, dem Beginn der österlichen Bußzeit, zeichnet der Priester den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn oder streut die Asche auf das Haupt. Dies ist Brauch seit dem 11. Jahrhundert. Asche ist Zeichen der Vergänglichkeit. Der Priester spricht bei der Austeilung des Aschenkreuzes: " Bedenke, Mensch, du kamst aus Staub und kehrst zu Staub zurück.

Haussegnung am Dreikönigstag (6.Januar)
Am Fest der Erscheinung des Herrn (Dreikönigstag) ziehen die "Sternsinger", meist als Hl.Drei Könige angezogen, von Haus zu Haus, singen Dreikönigslieder und sagen Texte auf, die den Gang der drei Weisen aus dem Morgenland beschreiben. Dabei werden auf den oberen Türbalken die Jahreszahl und die drei Buchstaben C+B+M geschrieben.


20+C+M+B+03

Das sind die Anfangsbuchstaben der Worte: "Christus Mansionem Benedicat" d.h. Christus segne diese Wohnung. (Manche meinen irrtümlich, es bedeute die Namen der Hl. Drei Könige (Caspar, Melchior, Balthasar). Von den Hausleuten werden die Sternsinger meist mit Weihnachtsgebäck oder auch Geld belohnt, das für eine missionarische Aufgabe bestimmt ist.

Martinstag (11.11.)
Das Fest des hl. Martin (Bischof von Tours), der als Vorbild der Nächstenliebe verehrt wird (Teilung seines Mantels mit einem Bettler), wir mit Laternenumzügen der Kinder begangen. Dabei wird meist die Szene der Mantelteilung dargestellt und Martinsgebäck verteilt. In manchen Gegenden gibt es ein Martinsessen (Gans). Der Martinstag galt in früheren Jaghrhunderten als Rechts- und Zinstermin (Abschluß des Wirtschaftsjahres, Wechsel des Gesindes, als Markttag, Winteranfang und Beginn des Advents)

Palmweihe und Palmprozession
Am Palmsonntag bringen die Gläubigen Palmsträuße ( bei uns zulande Sträußchen aus Buchsbaum und Weidekätzchen) oder mit Bändern geschmückte Zweige von Weiden, Birken, jungem Grün auf langen Stangen zu einem Platz außerhalb der Kirche. Dort werden sie gesegnet. Mit diesen Sträußen in den Händen wir die Palmprozession begangen, die an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern will. Die geweihten Palmzweige werden mit nach Hause genommen und bis zum nächsten Jahr sichtbar aufbewahrt. Vielerorts werden alte Palmzweige in der Osternacht im Osterfeuer verbrannt.

Quelle: Eine katholische Glaubensinformation, hrsg. von Katholische Glaubensinformation, Justinusplatz 2 in 65929 Frankfurt . Die Katholische Glaubensinformation ist eine der Zentralstelle Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz zugeordnete Arbeitsstelle. Ihre Internetadresse, unter der sie umfangreiche weitere Informationen finden: http://www.autobahnkirche.de
übrigens... der 24-teilige Glaubensinformationskurs, aus dem diese Passagen entnommen wurden, wird dort als Download angeboten....