| Mesner in
der Pfarrgemeinde - "full - time Job" mit Herz
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...das Interview vor Ort mit unserem Mesner Christian Benner

Samstag vor dem 4. Advent, 10 Uhr. Wir sind mit unserem Team auf dem Weg zur Kirche, wo wir zu dieser Zeit auch unseren Mesner Christian Benner vermuten. Vor dem Seiteneingang steht eine gelbe Kehrmaschine, da konnte er bestimmt nicht mehr weit weg sein. Christian kehrt gerade die letzten Reste von Herbstblättern zusammen, die der vorausgegangene Sturm hier angetrieben hatte. Spontan erklärt er sich bereit , die Arbeit ein paar Minuten ruhen zu lassen, um für uns aus dem Alltag des Mesners von Bühl zu erzählen.
Wir gehen durch die Kirche, wo gerade die Orgel für den Sonntag geübt wird, Richtung Sakristei:
Redaktion: Herr Benner, wir sind jetzt hier an ihrem Hauptarbeitsplatz, der Sakristei. Sie sind bei uns in St. Peter und Paul als hauptamtlicher Mesner tätig. Wie lange tun sie schon diesen Job ?
Hr. Benner: Genau am 1. November 2000 habe ich den Dienst angetreten.
Redaktion: War dieser Start nicht absolutes Neuland für Sie? Ihr eigentlicher Beruf ist doch Erzieher.
Hr.Benner: Die Sache "Mesner" war mir eigentlich nie ganz fremd, denn ich war hier lange Zeit Ministrant und habe da schon einiges mitbekommen.
Redaktion: Nun hatten Sie sich damals nicht gerade einen 35 Stunden Job ausgesucht?
Hr. Benner: Bestimmt nicht. Wenn ich allein an die Hochfeste denke, komme ich da schon mal auf 12 - 13 Stunden am Tag. Und da kommen die vielen kleinen Dienste dazu , die ein Außenstehender eigentlich nie so recht mit bekommt...aber die halt auch Zeit in Anspruch nehmen. Die Arbeit macht mir aber Freude.
Redaktion: Nun ich gebe zu, dass ich eigentlich auch nicht so richtig weiß, was der Mesner alles tut. Ich sehe diesen eigentlich nur Sonntags im Gottesdienst, wenn er die Bücher zum Ambo trägt und anschließend das Hauptportal für den Einzug des Pfarrers aufschließt.
Hr. Benner: Ja, wenn das alles wäre .....dann wäre dies wirklich ein "schlanker" Job. Ich bin am Samstagabend und am Sonntag bereits ein Stunde vor den Gottesdiensten in der Sakristei. Ich richte dann Kelch, Patene, Hostie und den Wein. Schaue nach dem Messgewand des Priesters ob alles OK ist und werfe ein Blick in den Schrank der Ministrantengewänder. Anschließend suche ich im Messbuch die Liturgie vom Tag heraus, die ja vorgegeben ist. Dann kommen auch schon die Ministranten. Hier sollte man dann noch einen Blick auf das richtige Ankleiden werfen und entsprechend helfen wenn es notwendig wird. Die Verstärkeranlage wird eingeschaltet...und das Tonband, das sie ja brauchen für den O-Ton der Predigt im Internet, wird eingelegt. Der Pfarrer legt sein Messgewand meist selbst an, da habe ich wenig Arbeit mit. Im Gottesdienst selbst läute ich zur richtigen Zeit die Glocken, habe ab und zu Lektordienst und bin gelegentlich auch als Kommunionhelfer eingeteilt. Nach dem Gottesdienst geht eigentlich alles den gleichen Weg, nur eben rückwärts.
Redaktion: Der Samstag und der Sonntagmorgen ist für Sie reguläre Arbeitszeit und dies das ganze Jahr hindurch. Dann könnten Sie ja eigentlich die Arbeit während der Woche ein weniger ruhiger angehen lassen?
Herr Benner: Gut, einen freien Tag hab' ich natürlich auch mal. Aber gerade die Arbeit während der Woche sehen die Gemeindemitglieder eigentlich nicht. Da kommt man als Außenstehender leicht zur Vermutung: "ja so ein Mesner hat's gut , er braucht nur Sonntags schaffen". Nein, gerade während der Woche habe ich sehr viel Arbeit mit der Reinigung der gesamten Kirche und des Kirchenvorplatzes. Hier machen mir mehr und mehr die Tauben zu schaffen, die es fertig bringen, in kürzester Zeit wieder den Platz voll zu ka....Und es gibt dann noch solche unvernünftige Leute, die diese Tiere regelmäßig füttern...da fühlen sich die Vie.. ja wie im Schlaraffenland und es kommen immer mehr dazu.
Ich bin auch zuständig für die Pflege der sakralen Gegenstände und dies erfordert eben Zeit wenn es richtig gemacht werden soll.
Redaktion: Mir fällt immer wieder der schöne Blumenschmuck in der Kirche auf, haben Sie da auch Aktien drin?
Herr Benner: Ja, die Blumen besorge ich und stecke sie dann selbst zusammen. Auch das Wechseln der Altardecken, die von Frau Stolz gepflegt werden, gehört in meinen Arbeitsbereich. Jetzt im Winter sehe ich auch nach der Heizung.
Redaktion: Jetzt muss ich aber mal fragen: Was machen Sie eigentlich nicht Herr Benner ?
Herr Benner: Nach dem Läutewerk im Turm z.B. brauche ich nicht zu schauen, da haben wir einen Kundendienst. Dafür fällt aber die Pflege der Ulrika Nisch Kapelle in meinen Arbeitsbereich und nach den kircheneigenen "Gotteslöber" schaue ich ab und zu auch, ob da nicht schon wieder Ruinen dabei sind.
Redaktion: Welcher Tag im Jahr ist für Sie der " Stressigste" ?
Herr Benner: Dies ist ......Fronleichnam. Hier muss halt alles wie am Schnürchen gehen..sonst gibt's trouble. Aber auch vor Weihnachten geht's dann rund, wenn die Krippe aufgebaut wird und die Tannenbäume geschmückt werden müssen wobei mir hier aber Herr Baurkart hilft.. Alles in Allem gefällt mir der Beruf und ich habe Freude daran, hier zu wirken.... natürlich gibt's auch mal trouble ...aber in welchem Beruf gibt es das nicht?
Redaktion: Herr Benner, man merkt es Ihnen wirklich an, dass Sie mit Freude dabei sind, Sie haben immer ein stilles Lächeln im Gesicht, das anstecken kann. Wir wünschen Ihnen noch viel Freude in Ihrem full-time job und bewahren Sie die Ausgeglichenheit, die Sie immer an den Tag legen. Diese könnte auch ein Vorbild für uns alle sein. Vielen Dank für das Gespräch.
(Redaktion: Reinhard Loeper)
(Herr Benner beim Aufbau der Krippe)